Experiment Leben

Um aus dem Leben ein gelungenes Experiment zu machen, sind zwei Dinge ganz wichtig: Liebe und Neugierde – zwei Gefühle die JEDE/R Forscher/in in sich trägt und auch jeder Mensch, davon bin ich zutiefst überzeugt.

“Ich habe keine besondere Begabung – ich bin nur leidenschaftlich neugierig. Albert Einstein”

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Und um diese beiden zu verstärken und zu kanalisieren, hab ich mir aus meiner Zeit in der Forschung folgendes ins Leben mitgenommen:

  • 1) Das Forschungsprotokoll

Schreib dein Leben auf. Und zwar regelmäßig. Mach ein Tagebuch, ein Wochenbuch, ein Monatsbuch oder von mir aus ein Jahresbuch. Unmittelbar oder auch rückwirkend, egal wie, Hauptsache du schreibst. Nur für Dich. In wenigen Stichworten oder komplexen Metaphern, in deinem zerknitterten Kalender, einer Notiz-App oder in einem schönen Buch.

Egal wie – es geht darum, dass deine Erlebnisse, Gefühle und Erkenntnisse dir bewusst bleiben, und auch dein Alltagstrott und Stolperscheine schneller auffliegen.

Nach ein paar Eintragungen „arbeiten, fernsehen, schlafen, Langeweile, Einsamkeit oder Tristesse“ klingelt nämlich schneller der innere Wecker als der Alltag das Leben sonst schon mal schleifen lässt. Und die schönen Momente schreib erst recht auf – vom überraschenden Lächeln eines Unbekannten an einem verregneten Morgen, über das gemeinsame Kochen mit Freunden bis zur Party bis die Wolken wieder lila werden (Julia Engelmann) oder der romantischsten Nacht aller Zeiten.

Das Leben besteht aus vielen kleinen Momenten die viel zu schnell vergessen werden. Was bin ich froh über meine Notizen, niemals möchte ich dieses bunte Spektrum der Freude, des Schmerzes, des Glücks, des Abenteuers, vergessen. Auf und ab wie eine Welle im Meer. Ich stelle mir sogar manchmal beim Schreiben vor, wie ich diese Zeilen in einigen Jahrzehnten lesen werde. Mit einem Lächeln auf den Lippen, der Erinnerung an alle Begegnungen die mich bewegt haben und tiefer Dankbarkeit im Herzen. Mit langen weißen Haaren, Runzeln und Falten und strahlenden Augen im Schaukelstuhl vorm offenen Feuer mit einer schnurrenden Katze auf dem Schoß werde ich meinen neugierigen Enkelkindern bei Kerzenschein von meinen Abenteuern erzählen und mein Geliebter wird glücklich lächeln hinter seiner Zeitung und wissen dass das noch lange nicht alles gewesen ist.

Oh jetzt bin ich ganz schön abgeschweift in meiner eigenen Vision, das war fein und nun zurück zur Wissenschaft.
 
  • 2) Ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren

Wie in der Forschung so gilt auch im Leben: Probieren geht über Studieren. Grübeln und taktieren ist manchmal auch wichtig aber generell handle ich so wie Deepak Chopra es in einem seiner Bücher vorschlägt: Wenn du etwas testen willst so spring gleich ganz hinein – Das Meereswasser scheint mit dem kleinen Zeh ja auch immer zu kalt doch wenn du ganz reinspringst merkst du plötzlich wie erfrischend schön das ist. Oder manchmal eben echt zu kalt und unangenehm, dann nichts wie raus mit dir aus dieser Situation und nichts wie rein in die Nächste. Denk dran: du hast nicht ewig Zeit.

Auch in der Wissenschaft gelingt nicht jedes Experiment, aber auch ein gescheitertes Experiment wird als erfolgreich betrachtet, weil man danach weiß, dass es so NICHT geht.

  • 3) Optimiere

Bei all dem Ausprobieren erwarte dir aber bitte nicht sofort Perfektion oder Absolution. Nach einer Euphorie bei allerlei Erlebnissen, Plänen, Projekten, Beziehungen, Ideen oder Aktivitäten kommt regelmäßig der Moment an dem wieder Zweifel auftauchen. Nutze diese Phase für Innenschau, Feinschliff und Optimierungen – jedes Experiment durchläuft diese Phase bis der Prozess immer besser, immer feiner läuft, sich immer besser anfühlt.

  • 4) Nichts ist für immer

Verfolge deine Sehnsüchte und Interessen, tauch ganz darin ein UND sei dir gleichzeitig bewusst dass es für JETZT ist. Auch die größten Thesen der Welt wurden und werden wieder und wieder verworfen und erneuert oder ist die Erde etwa eine Scheibe? Also bleib auch du offen für Erneuerungen und Veränderungen.

Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Heraklit von Ephesus

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  • 5) Routine ist gefährlich

Im Leben hantiert man zwar nicht immer mit gefährlichen Substanzen, Strahlung oder Erregern wie in so manchem Forschungszentrum aber Routine hat so einige Lebenszeit auf dem Gewissen. Bleibe also achtsam in deinem Handeln, so routiniert es auch sei. Mit voller Aufmerksamkeit und Konzentration hast du so viel mehr vom Leben als wenn du in Gedanken schon beim Abendessen bist, wo du wiederum in Gedanken beim nächsten Tag bist, wo du in Gedanken wiederum beim nächsten Wochenende bist, beim nächsten Urlaub, usw. – Du kennst die Spirale ja, oder?

Ich hab in der Forschung manche Arbeitsschritte so oft wiederholt dass ich sie im Schlaf machen hätte können – damit ich in dieser Routine anwesend und konzentriert bleibe, habe ich dann beispielsweise die Pipetten so verwendet, dass kunstvolle Muster entstanden sind oder ich hab die Petrischalen mit Symbolen bemalt anstatt Nummern. Versuchsreihe Smiley gegen Versuchsreihe Blümchen. Machte gleich noch mehr Spaß als die A / B These zu testen.

  • 6) Alles hat & dauert seine Zeit

Auch wenn es mir persönlich immer noch manchmal schwer fällt zu akzeptieren dass der Tag nicht mehr als 24 Stunden hat und selbst mein relativ hohes Energielevel irgendwann erschöpft ist, hab ich mittlerweile gelernt, dass alles seine Zeit hat.

Und alles dauert seine Zeit. Auch das ist für mein ungeduldiges Wesen noch manchmal nicht leicht zu ertragen, doch auch in der Forschung werden Wochen, Monate, Jahre lange Versuche gemacht um festzustellen, dass es so nicht funktioniert. Oder eben doch. Aber es dauert einfach. Manchmal kurz und manchmal lange. Wie viele Zeitkurven habe ich gemacht, beobachtet wie sich über die Zeit hinweg, Konzentrationen, Zusammensetzungen oder Eigenschaften verändern. Dabei sind Monate vergangen.

  • 7) Die Werte im Pyjama

An dieser Stelle mach ich mit euch einen kurzen Ausflug in meine Zeit im Hochsicherheitslabor. Um hinein zu gelangen musste sich jeder komplett nackt ausziehen, durch eine Dusche gehen, im Unterdruckraum wieder herauskommen (sodass auch bei einem Leck nichts nach Außen dringt), in Einweg-Feinripp-Unterwäsche schlüpfen und einen schlabbrigen Ganzkörperpyjama ohne Taschen drüberziehen. Und das hatte dann jeder da drin an. Von der Reinigungskraft bis zum Vorstandsmitglied. Anfangs fand ich es schräg, dann auch angenehm – erstens war es superbequem, zweitens fielen damit die künstlichen äußerlichen Unterschiede weg und das Wissen zählte mehr als das Auftreten und drittens fand ich den Pyjama ohne Taschen auch sinnbildlich für das Leben – du kommst mit nichts und du gehst mit nichts, Materie ist vergänglich, dein Inneres ewig.

Das bin übrigens ich im beschriebenen Outfit vor zehn Jahren, und auch wenn es so aussieht hatte ich da kein Kilo mehr auf den Rippen:

Patricia

  • 8) Schau unter die Oberfläche und behalte den Überblick

Es ist wichtig immer wieder den Schleier der Oberfläche zu lüften und darunter zu schauen. Tiefer zu gehen, zu graben, zu suchen, zu finden. Stirln nennen wir das auf gut österreichisch.

Verliere dich dabei aber nicht in den Details und hebe immer wieder den Kopf um den Überblick zu wahren und deine Prioritäten im Auge zu behalten. Sonst kann aus dir werden was man quer durch alle Disziplinen liebevoll „betriebsblind“ nennt und das Wesentliche geht verloren.

  • 9) Tausche dich aus

Die Wissenschaft sagt dazu „Peer Review“, die Startup Szene nennt es „Netzwerken“ – du weißt was gemeint ist. Viele Ideen entstehen zwar im stillen Kämmerchen, in der Natur, vor dem Computer oder auf der Toilette – für die Umsetzung oder Optimierung hilft es aber ungemein sich mit anderen auszutauschen und so gegenseitig zu inspirieren (Latein für „Einatmen“), zu unterstützen, zu befruchten. Und das können manchmal auch durchaus Kritiker sein die den Fehler suchen. Meistens sind es aber zum Glück wohlgesinnte Menschen, keine Angst.

  • 10) Hör auf dein Gefühl

Wissenschaft und Gefühl? Ja genau. Wissenschaft und Gefühl gehören zusammen wie Tag und Nacht oder Mann und Frau. Zwei Gegensätze die sich ergänzen und ohne einander nicht können. Das Gefühl ist der Weg zum Geheimnis, die Sehnsucht zur Idee, der Kompass zu deinem Herzen. Und es ist so einfach dass wir es manchmal verleugnen wollen: Angenehmes Gefühl? Weiter so. Unangenehmes Gefühl? Ändere dein Experiment. (Aber es ist gerade so bequeeeeeem…) Und auch das kennst du, stimmt’s?

Das Schönste, das wir erleben können ist das Geheimnisvolle. Albert Einstein

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Hier nochmal die Zusammenfassung der Tipps für dein Experiment:

  • Das Forschungsprotokoll
  • Ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren
  • Optimiere
  • Nichts ist für immer
  • Routine ist gefährlich
  • Alles hat & dauert seine Zeit
  • Die inneren Werte zählen
  • Schau unter die Oberfläche und behalte den Überblick
  • Tausche dich aus
  • Hör auf dein Gefühl
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Viel Spaß beim Experimentieren und Namastè,